Shanghai Report 2

Shanghai Report 2

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Shanghai 01. Mai 2010

Liebe Freunde, Kollegen und Projektpartner,

… gestern Abend … start der EXPO 2010 in Shanghai… wir schlagen uns zum BUND durch, eine der bekanntesten Strassen in Shanghai,
direkt am Huang Pu Fluss gelegen, eine Flaniermeile für Fussgänger, für die EXPO verlängert und aufgehübscht.
Wir sind nicht allein! Hunderttausende wollen das Feuerwerkspektakel miterleben und hoffen, wie wir, vom BUND aus in Richtung Expo-Gelände
die Show zu sehen. Der BUND ist überfüllt, alle Zugänge werden von Polizei abgeriegelt, man kann nur noch weggehen aber nicht mehr auf die erhöht liegende Spaziergänger- Plattform gelangen. Gedränge, es wird geschoben und gedrückt, die Menschen wollen da rauf, wenige schlüpfen durch die engen Polizei – Sperren. Plötzlich kracht es, das Feuerwerk geht los, tausende fangen an zu rennen um doch noch zwischen den Hochhäusern hindurch eine Lücke zu finden durch die hindurch das Riesenfeuerwerk zu sehen ist. Kurze Panikattacke. Auch wir laufen los, finden zum Glück sehr schnell eine Lücke und sehen viele Minuten lang eine beeindruckende Feuerwerksshow, der Himmel ist hell erleuchtet ununterbrochen werden hunderte von Raketen abgeschossen. Alle Farben greifen ineinander und am Ende wird immer wieder der rote Stern, das Symbol der politischen Führung, buchstäblich in den Himmel gezeichnet… Roter Stern über China… (Edgar Snow, dieses Buch wurde 1970 auf deutsch veröffentlicht) Das Spektakel ist zu Ende, die Masse löst sich auf, ziemlich diszipliniert, Alkohol oder Essen gibt es nicht. Hunderte von blau uniformierten städtischen Reinigungskräften wuseln durch die Menge und beseitigen jede Plastikflasche, mitgebrachte Tüten, Müll. Alles soll clean sein und sauber bleiben, nicht hinterher aufräumen, sondern fortwährend, ein Prozess der nicht mehr aufhören wird.

Harmonie
Harmonie, ein Lebenskonzept, Konfuze hat das schon 550 v. Chr. als eine der wichtigsten Lebensregel benannt. Hu Jintao, Staats- und Parteichef Chinas, hat das Harmoniekonzept wieder als offizielle politische Doktrin ins Spiel gebracht. Es gibt hier allerdings den ironischen Kommentar, wenn z.B. eine Internetseite aus politisch inhaltlichen Gründen zensiert wird, dann ist sie harmonisiert.

Für alle TänzerInnen ist Harmonie eine wichtige Kategorie, wenn man sie verliert muss man sie unbedingt wiedergewinnen, sonst geht man am Leben vorbei, oder verliert sein Gesicht. Es ist nicht einfach über so einen komplexen Begriff mit den chinesischen Künstlern zu sprechen. Das Selbstverständliche ist so schwer in Worten zu artikulieren. Im Körper, in der Bewegung, z. B. im traditionellen chinesischen Tanz, ist Harmonie wahrnehmbar, auch wenn wir nicht unmittelbar auf diesen Begriff stossen würden. Wir arbeiten an Übergängen, rein und raus aus “Harmonie”, es geht nicht um “Brechungen”, das ist sehr un – chinesisch. Bestimmte traditionelle Bewegungen lassen sich immer weiter auflösen, kontinuierlich, bis etwas neues entsteht, z. B. in Hip Hop Bewegungen transformiert werden, ohne wirklichen Bruch, im Übergang eben….

fake product´s
China ist voll von “fake Produkten”. Prada, Calvin Klein, Louis Vuitton, Rolex, … wir arbeiten an Texten die nur aus diesen Brand-Namen bestehen, chinesisch betont, es entstehen Lieder, Rap – texte, karikieret Verkaufs -Szenen die der Alltag hergibt. KaraokeeMassagie, good good price, very chepaa…come come come take a looki… ein großer Spaß für alle, jeder/jede hat eine ganz eigene Qualität diese Realität zu transfrormieren, bis hinein in den Körper.. you wana buy my kidney… please call me… eine andere krasse Realität der “Werkbank” China.

Improvisation

Wir improvisieren sehr viel über einfache Vorgaben, Konstellationen, wir wollen möglichst wenig Eingrenzung, wollen das die Gruppe aus dem Spiel heraus Bewegungen, Inhalte er – findet. Der Kontext der uns interessiert ist klar, jeder/ jede hat Interviews zum Thema gemacht (siehe Shanghai Report 1) Material aus der Realität zusammengetragen. Jetzt, in den Improvisationen geht es nicht mehr unmittelbar um dieses konkrete Material. Die Frage ist ob es etwas auslöst, ob etwas in diese offene Improvisieren hinein wirkt? Wir nehmen diese Impro´s auf Video auf, werten sie aus und besprechen sie mit allen TänzerInnen. Was ist für unseren Kontext interessant, was stimuliert uns alle, was ist es wert rekonstruiert zu werden? Verläufe entstehen, Kapitel werden definiert.

01. Mai / Tag der Arbeit / Maifeirertag / Kampftag der Arbeiterbewegung /
In China sind fünf Tage nationale Ferien. Shanghai ist voll von chinesischen Touristen. Der Frühling ist endlich hier angekommen.
Die Stimmung auf den Straßen, in den Parks ist entspannt, viele sind unterwegs, machen guan guan, was soviel heißt wie schlendernd, spazierengehen, Einkaufsbummel. Wir alle geniessen die Sonne und die laue Luft…

herzliche Grüße aus Shanghai

Dieter und Jutta

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About tanzcompagnie rubato

Tanzcompagnie R u b a t o The Berlin based dance company Rubato was founded in 1985 by Jutta Hell and Dieter Baumann. Up to this day Rubato has developed more then 50 full – length pieces in various artistic constellations and cultures and presented them in numerous tours around the world. 1990 to 1992 Rubato worked with Gerhard Bohner (one of the most important dance artist in Germany for a new approach to contemporary choreography in the 80 and 90) and received the „Award for performing Art“ by Akademie der Künste, Berlin in 1992. Since 1995 Rubato has regulary worked and co-produced in China (Guangdong, Peking, Hong Kong, Shanghai, Yunna Province). Beside other productions, the international project „Duty Free“(2001) has been produced with dancers from China, Estonia, Canada and Germany. „America! Question“ (2004) a piece with six US dancers produced in the USA and toured in Atlanta, Houston, San Francisco, Boston, New York. In 2005 Rubato created two commissioned pieces for the „House of World Cultures“ in Berlin, Shanghai Beauty, a piece with 14 chinese dancers and Eidos_Tao. Shanghai Beauty toured in 2006 world wide and was the most successful piece in Switzeland during the „Steps 2006“ Festival. A generous grant from the Cultural Foundation of the Federal Republic of Germany made it from 2009 to 2010 possible, to create a work with six independent young chinese dancers / choreographers from Beijing, Guangzhou and Shanghai: LOOK AT ME, I´M CHINESE. The piece was successfully premiered 2010 in Berlin, at the prestigious international dance festival: TANZ IM AUGUST. In 2011 MILK&BREAD / RICE&WATER was produced in Shanghai and Berlin and connected three chinese dancers and three western dancer. “THE SWATCH ART PEACE HOTEL GUEST RESIDENCY PROGRAM” has invited Jutta Hell and Dieter Baumann as first dancers / choreographers to join the residency program from December 2012 until March 2013. In 2013 and 2014 Rubato will receive again a 2 years grant from the „cultural department, city of Berlin“.

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